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Für Mitglieder

 

 

Bad Buchau, den 14. August 2017

 

Exklusivführung durch die neue Dauerausstellung

Liebe  Vereinsmitglieder,

die Fertigstellung der neuen Dauerausstellung des Federseemuseum ist in greifbare Nähe gerückt und wir freuen uns sehr, dass auch das Herzstück unseres Museums mit seinen einzigartigen Originalfunden bald wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Vieles verändert sich im Laufe der Zeit und so war auch die 1995 eröffnete Schau zur Federseearchäologie „in die Jahre“ gekommen. Neben der weiter wachsenden Sammlung und der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse haben sich dementsprechend auch die Fragestellungen an die Geschichte geändert. Und selbstverständlich sind auch die Sehgewohnheiten und die Wahrnehmung des Publikums nicht mehr identisch mit jenen vor 20 Jahren.

In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesmuseum ist nun eine neue Ausstellung entstanden, die mit moderner Gestaltung und Didaktik auf rund 500 m² Ausstellungsfläche über eintausend, zum Teil einzigartige Funde in eindrucksvoller Weise präsentiert.

Am Mittwoch, den 6. September sind Sie mit beiliegender Einladungskarte zur Eröffnung herzlich willkommen.

Am Freitag, den 8. September 2017, laden wir Sie darüber hinaus herzlich zu einem (kostenfreien) Besuch der neuen Dauerausstellung ein, durch die uns Museumsleiter Dr. Ralf Baumeister gerne exklusiv führen wird.

Dafür stehen Ihnen zwei Zeiten zur Auswahl: Um 14 Uhr und alternativ um 16 Uhr.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist dafür eine verbindliche Voranmeldung unbedingt notwendig.

Bitte geben Sie bis spätestens 06.09. unter 07582  8350 oder unter info@federseemuseum.de Bescheid, zu welcher Uhrzeit Sie kommen möchten.

 

 

 

 

 

Der Altertumsverein hat im Oktober 2016 diesen Antrag an den Landkreis Biberach gestellt:

Bad Buchau, den 12.10.2016

Herrn Landrat Dr. Heiko Schmid

Ich beantrage die Förderung des Federseemuseums durch den Landkreis Biberach mit 200 000 €.

Begründung:

Seit Juli 2011 sind vier archäologische Fundstellen im Federseegebiet und eine weitere in der näheren Umgebung als UNESCO – Weltkulturerbe anerkannt. Der Altertumsverein Bad Buchau, der dieses Jahr sein 103 –jähriges Bestehen feiert, zeigt in seinem Federseemuseum bereits seit 1919 die vorgeschichtlichen Funde. Unser Haus ist Zweigmuseum des archäologischen Landesmuseums.  In den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts ließ die Stadt Bad Buchau für dieses Museum durch den Architekten Lehmbruck ein der Bedeutung angemessenes Gebäude errichten, das  inzwischen selbst unter Denkmalschutz steht – ein Zeugnis moderner Architektur. Vor 20 Jahren wurde mit dem Aufbau eines Freilichtmuseums begonnen. Sie können sich vorstellen, dass allein die bauliche Unterhaltung der Gebäude den städtischen Haushalt über Gebühr belastet.

Der Betrieb unseres Museums wurde 1996 professionalisiert: Im Augenblick beschäftigt der Verein einen Archäologen (Dr. Ralf Baumeister) als Museumsleiter , eine weitere Archäologin als Museums-pädagogin auf einer 60% Stelle und eine Sekretärin (Mädchen für Alles) mit 50%. Dazu kommen freie Mitarbeiter, die die bis zu 50 000 Besucher durch unsere Einrichtung führen. Obwohl wir personell an der Untergrenze arbeiten, ist unser Betrieb seit 10 Jahren defizitär. Wäre die Stadt Bad Buchau nicht immer wieder zum Ausgleich bereit, wären wir schon längst insolvent.

Bei der Errichtung des Lehmbruckbaus haben der damalige Landkreis Saulgau und die anderen, umliegenden Landkreise Oberschwabens geholfen. Die Darstellung der Archäologie wurde als regionale Aufgabe verstanden.  Seit wir zum Landkreis Biberach gehören, sind Stadt und Verein  vom Kreis weitestgehend allein gelassen.

Sonderausstellungen und andere Projekte konnten mit LEADER durchgeführt werden. Die neuen Vitrinen wurden nur zum Teil vom Land finanziert. Leider ist LEADER weggebrochen.

In Baden- Württemberg gibt es gerade vier UNESCO Weltkulturerbestätten, im Kreis Biberach sind unsere  Pfahlbauten die einzigen. Es war unsere Idee, die Große Landesausstellung „4000 Jahre  Pfahlbauten“ (GLA) ins Oberland zu holen. Wir haben dem Archäologischen Landesmuseum Konstanz, dessen Zweigmuseum wir sind, unser Museumsgebäude für die GLA überlassen und unsere eigene, in die Jahre gekommene Dauerausstellung ausgeräumt.  Die GLA hat uns ein Defizit von ungefähr 80 000 € eingebracht.

Wenn sie wieder ausgezogen ist, benötigen wir für die neue Dauerausstellung 2017 ca. 200 000€. Diese Ausstellung soll wieder 15 – 20 Jahre stehen bleiben. Wir wissen bis heute nicht, wo wir das Geld hernehmen sollen. Es geht um unsere Existenz. Wir sind fest davon überzeugt: UNESCO- Welterbe kann keine rein  lokale Aufgabe sein. Ich bitte, diesen Betrag in die anstehenden Haushaltsberatungen einzubringen und im Haushaltsplan 2017 zu beschließen.

Als Anlage zu diesem Antrag lege ich ein Schreiben von Dr. Kniep an den Präsidenten des Landesdenkmalamtes bei, in dem er die Geschichte und die Arbeit unseres Museum bewertet.

Mit freundlichen Grüßen

  Unterschrift2

 

Die Folgen der Großen Landesausstellung bedrohen den Bestand des Federseemuseums.

Der desaströse Verlauf der Großen Landesausstellung (GLA) „4000 Jahre Pfahlbauten“ hat für das Federseemuseum gravierende Folgen. Die anteiligen Einnahmen unseres Vereins beliefen sich auf ca. 65000€. Erwartet wurden aber 200 000€. Die Personalkosten liefen im gesamten Jahr 2016 und bis heute weiter auf, obwohl kein eigener Museumsbetrieb möglich war und bis heute nur sehr eingeschränkt möglich ist.

Das Archäologische Landesmuseum (ALM) hat unsere Vorschläge für eine neue Dauerausstellung befürwortet. Der Kostenrahmen war für das ALM jedoch nicht zu stemmen.  Da beim Landkreis beantragte Mittel  nicht zu bekommen waren, hat das ALM bei der Neuaufstellung  der Ausstellung das alleinige Sagen, da die gesamte Finanzierung durch das ALM sichergestellt wird.

Das ALM beauftragte ein Karlsruher Architekturbüro, das sehr großzügig mit der doch knappen Zeit umging. Deshalb ist die Ausstellungseröffnung nicht zu terminieren. Die ganze Situation ähnelt dem Bau des Berliner Flughafens.

Anfang April berichtete Frau Grüninger in der „Schwäbischen Zeitung“ Ausgabe Riedlingen über meine harsche Kritik im Gemeinderat an der Kreisverwaltung. Dazu stellte sie eine Stellungnahme von B. Schwarzendorfer vom Landratsamt. Dessen Berechnungen, was die Unterstützung des Federseemuseums durch den Landkreis angeht, sind unzutreffend. Sie zeigen eine Schieflage der Kreisverwaltung in Richtung kreisgetragener Kulturvermittler (Kürnbach u.a.), die uns, die wir seit langem UNESCO – Welterbe aus dem Kreis Biberach vermitteln, keine Chance lässt.

Der Zuschuss des Kreises zur Landesausstellung wird uns 1 zu1 aufgerechnet. Die Federseemuseumsleitung hätte zugestimmt, die damit finanzierten Einrichtungsgegenstände nach der GLA nach Buchau zu übernehmen. Die waren aber für die GLA optimiert und sind deshalb für eine andere Dauerausstellung nur nach aufwendiger Umarbeitung zu gebrauchen. Hätte unser Museumsleiter diese Maßgabe ablehnen können? Sein Einfluss bei der Planung der GLA war nicht vorhanden. Die 30 000€ für den Shuttleverkehr dem Federseemuseum zuzurechnen ist zynisch.

Die Begründung unseres Antrags auf Förderung durch den Landkreis war durch die zögerliche Bearbeitung durch die Verwaltung überholt. Der Vorstand des AV hat den Antrag zurückgezogen, um ihn zu gegebenem  Zeitpunkt neu stellen zu können.

Wenn der Gesamtschaden, den unser Verein durch die GLA erleiden muss, ermittelt ist, werden wir den Ausgleich einfordern. Das kann erst nach Eröffnung der neuen Dauerausstellung sein.

 

Der Wohllöbliche Magistrat

von F. X.  Müller. Eine Auswahl aus den Protokollen der freien Reichsstadt Buchau 1789 – 1803.

Bei der fälligen Sanierung unseres Federseemuseums kam ein vergessenes Manuskript von Franz Xaver Müller (1887- 1962) zum Vorschein, das die schleichende Umwandlung des Hauses vom Vor-, Natur- und Heimatgeschichtemuseum zum reinen archäologischen Museum unversehrt überstanden hat. Der Dürnauer Franz Xaver Müller hat mit großem Fleiß aus den über 2000 Protokollen des reichsstädtischen Magistrats 270 Protokolle ausgewählt und handschriftlich zusammengestellt. Wie kein Anderer hat er sich mit dem letzten halben Jahrhundert von Hochfürstlichem Stift und Reichsstadt Buchau beschäftigt. Zurückhaltend und wohlwollend kommentiert er die festgehaltenen Vorkommnisse.
Nach über 50 Jahren möchte der Altertumsverein diese großartige Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich machen. F.X. Müller hat seinem Manuskript einen Zeitungsausschnitt vom 9. Mai 1962 beigegeben, den er wahrscheinlich selbst intendiert hat.
Die Arbeit ist durchgehend in Deutscher Kurrentschrift geschrieben, nur die Schenkungsurkunde, lateinische Ausdrücke und manche Namen in Deutscher Normalschrift, die ab 1941 üblich war. Die Schenkungsurkunde und die letzte Seite habe ich in Fotokopie angefügt. Bei der Niederschrift einer so langen Arbeit unterlaufen natürlich kleine Fehler. Da unklar ist, ob diese Fehler schon in den Originalprotokollen aufgetaucht sind oder sich bei der Übertragung eingeschlichen haben, habe ich nur offensichtliche Übertragungsfehler wie unmotivierte und sinnfreie Wortwiederholungen gestrichen. Nachträge, die F.X. Müller mit verspäteten Nummern aufgeschrieben hat, habe ich zeitlich richtig eingeordnet.

Buchau, 15. Mai 2014                              Karl Sandmaier

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Der wohllöbliche Magistrat

Der Apostel von Buchau

Die Quelle der Geschichte über den Apostel von Buchau ist die Familienchronik der schwäbischen Herren von Zimmern, geschrieben von 1540-1566 vom Froben Christopf Graf von Zimmern(geb.1519). Das Schloss der Grafen von Zimmern stand in Meßkirch.

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Im „Schöttle“ steht über den Bürgermeister Daniel Buggenheu, dass dieser 1521 aus besonderem Anlass – der Kaiser forderte die Reichstände dringend auf, vollzählig in Speyer zu erscheinen – dieses mal nicht durch den Biberacher Bürgermeister sein Votum abgeben lassen wollte, sondern selbst nach Speyer zum Reichstag reiste. Hier irrt Schöttle. 1521 fand der Reichstag in Worms statt, wo über Martin Lu- ther die Reichsacht verhängt wurde, das sogenannte Wormser Edikt, ein Erlass von Kaiser Karl. Der wichtige Aufruf des Kaisers erfolgte 1526 nach Speyer, bei dessen Reichstag das Wormser Edikt ausgesetzt wurde. Es wurde beschlossen, den Ständen auch die Glaubensfrage in Verantwortung vor Gott und Kaiser zu überlassen. Darauf hin entstanden die Lutherischen Landeskirchen. 1529 erfolgte der 2. Reichstag in Speyer. Das Wormser Edikt wurde wieder einge-

führt. Verschiedene Fürsten und Reichsstädte protestierten gegen die Reichsacht von Martin Luther. Von dieser Aktion leitete sich der Begriff „Protestantismus“ ab.

Von Froben Christoph Graf von Zimmern ist bekannt, dass er sich in Speyer während eines Reichstages aufhielt. Wahrscheinlich 1540 oder 1544. 1529 dürfte er noch zu jung gewesen sein. Entweder hörte er die Geschichte vom Apostel von Buchau auf den Reichstagen oder er traf dort den Augenzeugen Graf Haug von Montfort.

Zum besseren Lesen ist der nachfolgende Text aus der Zim- merischen Chronik in das Schriftdeutsche übersetzt: „Neben anderen guten Schwänken, die sich auf diesem Reichstag zutrugen, war der von Buchau am Federsee. Da Buchau eine Reichstadt ist, war sie aufgefordert, anwesend zu sein um Beschlüsse mitzutragen. Buchau hat sich auf den vergangenen Reichstagen von anderen Städten vertreten lassen, sie war bis dahin niemals auf einem Reichstag erschienen.

Buchau schickte trotz Mangel an Vermögen ihren Bürgermeister, einen Fischer seines Handwerks. Er sollte nach Speyer reisen, um zu sehen und zu hören, wie es dort zuging und was man dort beschließen wird.

Um keine unnötigen Unkosten zu verursachen, machte er sich zu Fuß auf den Weg. Er kam also per Pedes auf dem Reichstag an. Laut seinem Auftrag hatte er sich gleich bei den anderen Gesandten der Reichsstädte vorgestellt. Diese wollten sich wegen seiner Einfalt kranklachen, welches aber nicht in seiner Gegenwart geschah.

Unter den Gesandten und Ständen wurde er nur der Apostel genannt. Nachdem sich der Reichstag lange hinzog, reiste Graf Haug von Montfort, ein Kommissar Kaiser Karls V, früher nach Hause. Er besuchte gleich seine Schwester, die als Äbtissin in Buchau lebte. Weil der Bürgermeister im Umgang mit dem Reichstag ziemlich ungeübt war, rieten ihm die Gesandten ebenfalls vorzeitig nach Hause zu gehen. Er reiste wiederum ohne Pferd heim. Graf Haug von Montfort, der sich noch in Buchau aufhielt, sah ihn in der Stadt ankommen, barschenkelig, die Strümpfe und Unterhosen ausgezogen, aber mit angezogenen Schuhen, die Hosen über die Achsel geschlagen. Graf Haug sprach ihn an, und merkte an seinem Reden, dass er früh genug zu den Beschlüssen wieder zum Reichs tag zurückkehren wolle“.

Die Geschichte kann so nicht stimmen. 1521 fand in Speyer kein Reichstag statt. Den Reichsabschied von 1542 des Reichstags in Speyer unterschreibt als Letzter der Vertreter der Stadt „Bucho am Federsehe“, der Fischer Eustachius Jeger.