{"id":218,"date":"2014-09-30T09:41:57","date_gmt":"2014-09-30T07:41:57","guid":{"rendered":"http:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/?page_id=218"},"modified":"2014-10-03T22:06:24","modified_gmt":"2014-10-03T20:06:24","slug":"johann-franz-von-schefold-geheimer-rat-und-regierungsdirektor-in-buchau-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/?page_id=218","title":{"rendered":"Johann Franz von Schefold, Geheimer Rat und Regierungsdirektor in Buchau"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\">(Bearbeitet von Dr. Max Schefold)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus nahestehenden Gr\u00fcnden ziemt es sich, in unserer Familiengeschichte dieses Mannes besonders zu gedenken. In unse\u00acrem Stammbaum bildet er nicht nur die Br\u00fccke hin\u00fcber nach Markdorf, er ist vor allem der Stammvater der Buchauer Linie, die schon in der folgenden Generation durch die erstaunliche Zahl von 19 Kindern, von denen allein 12 geheiratet haben, rasch in die Breite w\u00e4chst. Als bedeutende Pers\u00f6nlichkeit wird uns der letzte Oberbeamte des Reichsstiftes Buchau geschildert; eine f\u00fchrende Stellung mu\u00df er um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert auf politischem wie auch geistigen Gebiet in Ober\u00acschwaben eingenommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was im folgenden zusammengetragen wurde, fu\u00dft zun\u00e4chst auf seiner Hauschronik und dem Tagebuch seines Sohnes Franz Eduard, ferner auf Urkunden im W\u00fcrttembergischen Staatsarchiv und Aktenausz\u00fcgen aus dem f\u00fcrstlich Thurn-und-Taxis&#8217;schen Archiv in Regensburg. Als weitere Quelle diente die ungedruckte Chronik von Biberach von J. K. Krais (1822) und die Buchauer Chronik von Joh. E. Sch\u00f6ttle (Waldsee 1884), ferner die Erinnerungen eines Schwaben (J. B. Pflug), herausgegeben von J. E. G\u00fcnthert, die Oberamtsbes-chreibung von Riedlingen und das Kunstinventar vom Donaukreis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geboren ist Franz Joseph Schefold als Sohn des Kunst- und Kirchenmalers Johannes Schefold und der Maria Beatrix Enroth am 24. Januar 1750. In seinem Tagebuch, das erst mit dem Jahre 1772 einsetzt und uns \u00fcber seine Jugend im Stich l\u00e4\u00dft, schreibt er von Markdorf. Urkundlich ist die Geburt in den Markdorfer Taufb\u00fcchern allerdings nicht zu belegen. Wie schon bei seinem Vater berichtet wurde, scheint Schefold keine weiteren Geschwister gehabt zu haben. Wo er au\u00dfer Markdorf zur Schule gegangen, wissen wir nicht; sp\u00e4ter aber hat er um 1770 die Stra\u00dfburger Universit\u00e4t bezogen, in denselben Jahren also, in denen auch Goethe dort studierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahre 1772 wurden die Studien in Stra\u00dfburg vorl\u00e4ufig abgeschlossen. Am 22. April 1773 beginnt Schefold nach 9 monat-licher Praxis bei der F\u00fcrstbisch\u00f6flich-konstanzischen Regierung in Meersburg seine Arbeit zun\u00e4chst als Kanzlist in dem Kaiserl. gef\u00fcrsteten freiweltlichen Reichsstift Buchau. Rasch sollte er dort zu h\u00f6heren Aemtern aufr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buchauer Stift war urspr\u00fcnglich eiu Nonnenkloster, dessen Aebtissin einst Irmengard, die Tochter Ludwig des Deutschen war; im 13. Jahrhundert ward es in ein weltliches Chorfrauenstift zur Versorgung adliger Damen umgewandelt. Die F\u00fcrst-Aebtissin hatte auf dem Reichstag Sitz und Stimme auf der rheinischen Pr\u00e4latenbank. Der Haushalt, den das Stift f\u00fchrte, war wahrhaft f\u00fcrstlich zu nennen; das dem Stift geh\u00f6rige Gebiet bildete ein eigenes Oberamt, das von einem umfangreichen Verwal-tungsapparat verwaltet wurde. An dessen Spitze stand urspr\u00fcnglich ein \u201eKanzler&#8220;, sp\u00e4ter hie\u00df er Oberamtmann oder Regie-rungsdirektor; diesem standen zwei Hof- und Regierungsr\u00e4te zur Seite, ferner Sekret\u00e4re, Registratoren und Kanzlisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon im folgenden Jahr seiner Buchauer T\u00e4tigkeit, am 20, M\u00e4rz 1774, wird Johann Franz Schefold Regierungssekret\u00e4r, 1775 ist er schon Kanzleirath. In den Jahren 1777 auf 78 wird das Stiftsarchiv, das sich heute in Obermarchtal befindet, von ihm eingerichtet; von seiner Hand stammt auch ein musterhaft gef\u00fchrtes Repertorium nebst Einleitung \u00fcber die damaligen Stiftsdamen und eine Liste der Aebtissinnen, zumeist von Wappen begleitet. Wer heute nach Obermarchtal kommt, mag sich die sch\u00f6n ausgef\u00fchrte Arbeit auf dem f\u00fcrstlichen Archiv zeigen lassen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. Februar 1781, mit knapp 31 Jahren, wird Schefold Hofrath und Regierungsdirektor. Wenige Wochen sp\u00e4ter erwirbt er sich auf der Stra\u00dfburger Universit\u00e4t den Doktorhut; noch ist das Diplom, ausgestellt am 7. April 1781, vorhanden. In den Matrikula Generalis Jurisprudentiae erscheint er unterm 3. April 1781 als \u201ehochf\u00fcrstlich Reichsstift-Buchauischer Hofrath&#8220; (K. A. Barack, W\u00fcrttemberger auf der Stra\u00dfburger Universit\u00e4t \u2014 W\u00fcrttembg. Vierteljahreshefte f. Landesgeschichte 1879, S. 161 ff.: \u2014 Nr. 1921). Schefold r\u00fcckte an die Stelle des Geheimen Raths und Regierungsdirektors Karl Joseph Anton von Enroth ein, mit dem er durch seine Mutter durch verwandschaftliche Beziehungen verbunden war; vermutlich war Enroth sein Onkel. In diesen Jahren schied auch der Geheime Hofrath Joseph Felix Widmann im Alter von 62 Jahren aus dem Dienst. Er war inzwischen der Schwiegervater von Schefold geworden, der am 5. Januar 1782 Maria Carolina Widmann heiratete. Die Trauung in der Stiftskirche zu Buchau vollzog der Domkapitular Kanonikus Josef Anton Halm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Mann von Weitblick und hohem technischen Verst\u00e4ndnis, als \u201etatkr\u00e4ftige und vielseitige Pers\u00f6nlichkeit&#8220; wird Schefold ger\u00fchmt. In seine Amtszeit f\u00e4llt zun\u00e4chst die Einrichtung einer Druckerei und eines Theaters und die Gr\u00fcndung einer Normalschule, dann h\u00f6ren wir von Anlegung neuer Stra\u00dfen, von der Errichtung des Weilers Moosburg (1792,), was ihm die Ehren\u00acb\u00fcrgerschaft von Moosburg einbrachte. Neben seinen Ver\u00acdiensten um die Landwirtschaft in der Buchauer Gegend, seinen K\u00e4mpfen um die Allmenden, wird vor allem die von ihm zur Gewinnung von Ackerland unternommene F\u00e4llung des Federsees als gro\u00dfz\u00fcgiges Kulturwerk ger\u00fchmt. Sch\u00f6ttle; der Buchauer Chronist, schreibt dar\u00fcber: \u201eEine \u00e4u\u00dferst vorteilhafte That der Stiftsregierung war die Seef\u00e4llung, 1789 durch-gef\u00fchrt. Obgleich das Werk mangelhaft ausgef\u00fchrt wurde, gewann man doch \u00fcber 1300 Morgen culturf\u00e4higen Boden; Kappel und Buchau erhielten jetzt Allmenden. Die Initiative hiezu ging von Geheimrath Schefold aus. Es bleibt dies sein unverwelkliches Denkmal.&#8220; 1790 bem\u00fcht sich Schefold in Wien um die Errichtung eines Vieh- und Fruchtmarktes in Kappel (Oberamtsbeschr. von Riedlingen S. 823).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 12. Oktober 1790 erfolgt die Ernennung zum Geheimen Rath. Gem\u00e4\u00df einer Pergamenturkunde mit kaiserlichem Siegel im Staatsarchiv in Stuttgart (Stift Buchau B. 66, Rep. 620) vom 23. August 1791 belehnt Kaiser Leopold II. den Buchauischen und f\u00fcrstlichen Geheimen Rath lic. Schefold als Lehnstr\u00e4ger der Aebtissin Maria Maximiliane von Buchau mit dem gro\u00dfen und kleinen Zehnten von Moosheim, Gro\u00df- und Kleintissen. Ausgestellt ist die Urkunde in der K. u. K. vorder\u00f6sterreichischen Hauptstadt Freiburg i. B. Im Dezember 1797 ist Schefold als Gesandter des Schw\u00e4bischen Kreises beim Kreiskonvent zu Augsburg. Unterm 9. Mai 1802 wird er korrespondierendes Mitglied der vaterl\u00e4ndischen Gesellschaft f\u00fcr Naturkunde.<br \/>\nViel Not ist unterdessen \u00fcber Oberschwaben hereingebrochen; das Tagebuch bringt manch Andeutungen von \u201eSorgen, Kummer und Leiden, die wir den Sommer (1796) hindurch und bis auf den 6. Oktober von den Franzosen in dem itzigen Kriege und bis zu ihrem R\u00fcckz\u00fcge von hier und unseren Gegenden ertragen mu\u00dften&#8220;. 1800 ist wieder die harte Kriegszeit erw\u00e4hnt, wo Buchau von franz\u00f6sischen Truppen umrungen ist. Ein andermal erfahren wir von dem am 8. Mai 1800 ausgestandenen \u201eSchrecken und Kummer beim hiesigen Einr\u00fccken des auf schlimme Art ber\u00fchmten franz\u00f6s. Generals Tarrau.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Reichsdeputationshauptschlu\u00df, der die Katholische Kirche im Deutschen Reich als politische K\u00f6rperschaft vernichtete, wurde das Stift 1802 den F\u00fcrsten von Thum und Taxis als Ersatz f\u00fcr ihr linksrheinisches, an Frankreich fallendes Gebiet zugesprochen. \u201eUnter dem 21. Januar 1803 erlie\u00df Seine Durchlaucht der F\u00fcrst Karl Anselm von Thum und Taxis eine Instruktion, worin er sich vorbehalten hatte, dem Geheimrath Scheffold einen seiner langj\u00e4hrigen Dienstzeit angemessenen Wirkungskreis einzuweisen.&#8220; (Sch\u00f6ttle, Buchau) Laut Dekret aus Wien vom 2. Januar 1803 wird Schefold zum Geheimen Rath des hochf\u00fcrstl. Regierungs- und Hofgerichts Buchau mit einem Bez\u00fcge von 3000 fl. ernannt. Nicht ohne Reiz ist im Tagebuch zu lesen, wie die Weltgeschichte in die Familie hineingreift; dort steht anl\u00e4\u00dflich der Hochzeit der Tochter Karoline mit Dr. Bleicher: \u201eim Beysein der meinigen und vieler G\u00e4ste, besonders der Tags vorher einger\u00fcckten Hochf\u00fcrstlichen Thum und Taxis&#8217;schen Kommission, des Herrn Grafen v. Westerholf, H. Hofrath von Dollin, pp., welche das hiesige f\u00fcrstl. Stift als die ihrem F\u00fcrsten zugeschriebene Entsch\u00e4digung provisorisch in Besitz nahmen, dann des Herrn Reichspr\u00e4laten von Schussenried, Abts Syard wie s\u00e4mtlicher hiesiger h\u00f6chsten und hohen Herrschaften, und besten und gn\u00e4digsten F\u00fcrstin und der gn\u00e4digen Damen, welche alle und in allem \u00fcber 50 Personen das hochzeitliche Mittag- und Abend-speisen mitgenossen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 13. Juli 1803 verlegt nun Schefold seinen Wohnsitz nach Biberach, wo er zun\u00e4chst den Schadenhof, einen stattlichen Bau aus dem 16. Jahrhundert bezog, der urspr\u00fcnglich im Besitz der Brandenburg, dann der Schad in Warthausen war und sp\u00e4ter im 19. Jahrhundert Jahrzehnte als Oberamtei gedient hat. 1812 erwarb Schefold von der Freifrau Reuttner von Weyl ein Haus in der Kronengasse 29 (heute Sennhofgasse 16). Auch dies ein stattliches Herrschaftsgeb\u00e4ude, das seine Geschichte besa\u00df. 1570 hat es B\u00fcrgermeister Wilhelm II. von Brandenburg erbaut, 1756 kaufte es Graf Stadion-Warthausen und \u201elie\u00df es prachtvoll einrichten, so da\u00df es f\u00fcr das eleganteste in ganz Oberschwaben galt&#8220;. Sp\u00e4ter geh\u00f6rte es der gr\u00e4flichen Familie Fugger-Boos. Seit 1862 hausen die Barmherzigen Schwestern darin, sp\u00e4ter geh\u00f6rt es der Spitalver-waltung. Das Haus, das schon in den Revolutionskriegen \u00f6ster-reichischen Feldherrn als Abstiegsquartier diente, war auch in den Jahren 1814 und 15 das bevorzugte Quartier f\u00fcr die F\u00fchrer der \u00f6ster-reichischen Truppen. Eine Liste, die wir der Biberacher Chronik von Krais entnehmen, wirft, zumal beim Vergleich mit den damaligen Einquartierungen beim B\u00fcrgermeister, schlie\u00dflich auch ein Licht auf die gesellschaftliche Stellung, die Geheimrat Schefold in Biberach einnahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine reizende Charakteristik von Schefold ist uns in den Lebenserinnerungen des Biberacher Malers Johann Baptist Pflug erhalten, der uns \u00fcbrigens seinen G\u00f6nner auch zweimal in Miniaturen im Bilde verewigt hatte, einmal wohl bald nach 1803, das anderemal in Jahren nach 1820. Wir lassen im folgenden Pflug selbst sprechen: \u201eIn Folge der Aufhebung des Stiftes Buchau, 1803, war der Geheimrath Schefold von dorten nach Biberach in den sog. Schadenhof gezogen. Er hatte einen guten Weinkeller und kam daher mit dem K\u00fcfer Pflug oft zusammen. Bei einem solchen Besuche sah er meine Zeichnungen und stellte den Vater sogleich zur Rede: warum er ein solches Talent zu Grunde gehen lasse? Er versprach, mich in sein Haus aufzunehmen und mir den n\u00f6tigen Unterricht im Oelmalen ertheilen zu lassen. Sein Vater war nemlich selbst ein Kirchenmaler und obschon ein vorger\u00fcckter Achtziger, noch r\u00fcstig genug, um mir seine Kunst zu lehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Besuch bei Schefold wird mir immer unverge\u00dflich bleiben. Nicht gro\u00df aber sehr korpulent, hatte dieser Herr ein volles, rothes&#8216; Gesicht mit lebhaften Augen und schneewei\u00dfe Haare; er trug die reinlichste W\u00e4sche, einen Jabot, der unter der wei\u00dfen Piqueweste hervordrang, zierliche Manschetten an den Hemd-\u00e4rmeln, einen aschfarbigen Oberrock und kurze Beinkleider, wei\u00dfe seidene Str\u00fcmpfe und gro\u00dfe silberne Schnallen auf den Schuhen. Aus den beiden Uhrentaschen hingen zwei goldene Ketten mit Chachet heraus \u2014 in den H\u00e4nden hatte er eine l\u00e4ngliche goldene Dose, aus der er zierlich schnupfte, w\u00e4hrend er mit mir sprach. So stand er, gebietend \u00fcber mein Schicksal, in einem reich m\u00f6blierten Zimmer, aus dem in einen kleinen Saal voll Bilder gesehen werden konnte, auf welche sich meine Blicke w\u00e4hrend des Gespr\u00e4ches neugierig richteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich arbeitete nun den ganz Tag im Schadenhof, wobei der Geheimerath und sein Vater stets anwesend waren; der Letzterer lehrte mich erst die Kunst des Malens \u2014 grundiren, die Farben verstehen; mischen usw. und wenn sich auch Vater und Sohn in ihren Kunsturtheilen dann und wann in die Haare geriethen, so widmeten sie mir doch ununterbrochen ihre ganze Sorgfalt. Bald verfertigte ich Kopieen von Schefolds Gem\u00e4lden, welche sehr gesucht waren und mir ein sch\u00f6nes St\u00fcck Geld ums andere verschafften.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 19. Oktober 1828 ist Johann Franz Joseph Schefold in Biberach nach 15t\u00e4gigem schmerzhaften Krankenlager an Brustwassersucht gestorben. Am 22. Oktober erfolgte die Bestattung auf dem Biberacher Friedhof neben dem Grab seiner F\u00fcrstin; dann wurde in der Kirche das Trauer- und Lobesamt gehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Bildnissen des Geheimrates sei als erstes auf das feine, wohl gegen 1780 entstandene geistvolle Jugendbildnis in Pastel hingewiesen; wo er als kultivierter gepflegter Mann in himmelblauer Weste und silbergrauem Mantel erscheint. Aus derselben Zeit das stolze Oelblld seiner Frau Karolina in m\u00e4chtigem Haaraufbau. Diesem folgt, um 1795 das Bildnispaar im Buchauer Museum; Haltung und Geb\u00e4rde, die Tracht wie die Malerei tragen noch ganz den Charakter des 18. Jahrhunderts. Um 1810 entstand das Miniaturpaar von Johann Baptist Pflug im Besitz von Pfarrer Lang in Derendingen; den Abschlu\u00df bilden die beiden nun ganz b\u00fcrgerlichen nach 1820 gemalten und von Pflug signierten Miniaturen: im Besitz von Eduard Schefold.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frau des Geheimrats, Maria Carolina Helena Joanna Nepomucena Widmann, ist am 13. Mai 1763 als Tochter des Geheimen Hofrats: Felix Widmann in Buchau geboren. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren ihrer Gevatterin, der damals regierenden F\u00fcrst\u00e4btissin von Buchau Maria Carolina geb. Gr\u00e4fin zu K\u00f6nigsegg, Die Firmung, die am 17. VI. 1768 in Buchau stattfand, vollzog Weihbischof Graf Fugger von Gl\u00f6tt, zur Firmung wurde sie von der Stiftsdame Felizitas Erbtruchsessin Gr\u00e4fin von Zeil und Wurzach gef\u00fchrt. Ueber die Familie Wiedmann, ihre ebenfalls aus Markdorf stammenden Gro\u00dfeltern, Eltern und Geschwister wird an anderer Stelle berichtet. Weder in Urkunden und Akten noch in der Literatur sind uns sonst \u00fcber sie irgendwelche Nachrichten \u00fcbermittelt. Ist uns auch an schriftlicher Ueberlieferung von ihrem Lebensweg, von ihrem Schicksal wenig Kunde gegeben, so spricht doch die erstaunliche Zahl von 19 Kindern, denen sie das Leben geschenkt; genug \u00fcber sie. Auch von ihrer Seite, von ihrer reichen Pers\u00f6nlichkeit, m\u00fcssen all die Kinder ein gut Teil, an Begabung und nat\u00fcrlichem Talenten und Lebenst\u00fcchtigkeit mitbekommen haben. \u2014 Ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes zog sie nach dem Verkauf, des Hauses in Biberach am 18. April 1829 nach Buchau zur\u00fcck, wo sie eine j\u00e4hrliche Witwenpension von 600 fl. erhielt. Dort bildete sie noch bis zu ihrem Tod den Mittelpunkt f\u00fcr die zahlreiche und inzwischen im ganzen Oberland verstreute Familie. Sie starb am 17. September 1838 im Alter von 75 Jahren; sieben Geistliche amtierten beim Trauergottesdienst, darunter der 85j\u00e4hrige Pfarrer Illmensee als \u00bbaIter treuer Freund des Hauses, 12 Kinder, 28 Enkel und nicht weniger als 15 Urenkel hinterlie\u00df die Geheimr\u00e4tin bei ihrem Tod \u2014 als familiengeschichtliche Merkw\u00fcrdigkeit sei erw\u00e4hnt, da\u00df die j\u00fcngste heute noch lebende Urenkelin erst 1899 geboren ist.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re unbillig, \u00fcber den Geheimrat zu berichten, ohne einer Frau zu gedenken, die nicht nur die Herrin von Buchau und damit seine Vorgesetzte war, sondern auch \u00fcber der Familie wie ein guter Schutzgeist waltete. Es war die F\u00fcrst\u00e4btissin Maximiliana, Gr\u00e4fin von Stadion in Thann und Warthausen. Geboren um 1735, ist sie 1754 ins Stift aufgenommen worden und ward am 25. September 1775 zur F\u00fcrst\u00e4btissin gew\u00e4hlt; sie sollte die letzte Aebtissin des Buchauer Reichsstifts werden. Nach dessen Aufhebung im Jahre 1803 zog sie zun\u00e4chst nach Warthausen, sp\u00e4ter nach M\u00fcnchen, wo sie 1816 starb; wie die Kanonissinnen erhielt sie reichliche Appanage von den F\u00fcrsten Thum und Taxis. Das sch\u00f6nste Verh\u00e4ltnis von Vertrauen und Freundschaft mu\u00df zwischen ihr und ihrem Regierungsdirektor von Schefold bestanden haben; das gro\u00dfe Wohlgesinntsein blieb aber auch nach der Aufhebung des Stifts aufrechterhalten. In seinem Tage-buch spricht er von \u201eunserer besten gn\u00e4digsten F\u00fcrstin, unserer wirklichen Mutter&#8220;, ein andermal von \u201eunserer gn\u00e4digen Wohlt\u00e4terin&#8220;. Bei den meisten seiner Kinder \u00fcbernimmt sie die Patenschaft, wenn m\u00f6glich, nimmt sie an den vielen Taufen selbst teil; das Erstgeborene erh\u00e4lt selbst den Namen der G\u00f6nnerin. M\u00fcndlicher Tradition zufolge sollen die Schefolds-kinder von Biberach aus viel nach Schlo\u00df Warthausen gekommen sein, wo sie bei der F\u00fcrst\u00e4btissin zu Gast waren und so manches Mal mit Golddukaten spielen durften, die ihnen die G\u00f6nnerin zurollte!<br \/>\nVon der stattlichen \u00e4u\u00dferen Erscheinung der klugen und energischen Frau gibt ein Oelbildnis im Besitz von Fr\u00e4ulein zum Tobel in Stuttgart Kunde, wo sie in weltlicher Tracht, nach der Aufhebung des Stifts erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der F\u00fcrstin abgesehen erscheinen, neben dem engeren Kreis der oberschw\u00e4bischen Amtskollegen manch andere hochgestellte Pers\u00f6nlichkeiten, mit denen Schefold in freundschaftlichem Verkehr stand und die auch als Taufpaten bei seinen Kindern fungierten. Auch diese Namen, deren Titel dem Tagebuch entnommen sind, geben ein kleines Spiegelbild von der damaligen Kleinstaaterei, als ganz Oberschwaben in eine Menge kleiner weltlicher und geistlicher Besitzt\u00fcmer verzettelt war. Erw\u00e4hnt seien: ,,S. Exzellenz der regierende Herr Reichsgraf Ernst von K\u00f6nigsegg-Aulendorf, K. K. Geheimer Rat und Minister am schw\u00e4bischen Kreis&#8220; (gest. 1803) ferner \u201eS. hochf\u00fcrstliche Durchlaucht, der regierende F\u00fcrst von Oettingen und Oettingen-Spielberg&#8220;, der z. B. bei Aloys Schefold zu Gevatter steht, dann Graf Philipp von Stadion, damals K. K. Gesandter in Schweden. Von den Beziehungen; zum F\u00fcrsten Metternich- Winneburg, der in Ochsenhausen residierte, dem Bruder des \u00f6sterreichischen Staatskanzlers, ist in Pflugs Erinnerungen die Rede. Nach m\u00fcndlicher Ueberlieferung soll er bei der Erhebung Schefolds in den Adelsstand vermittelt haben. Eine wesentliche Rolle im Freundeskreis mu\u00df Abt Syard, Reichspr\u00e4lat in Schussenried und Kanonikus Georg Vogler, Pr\u00e4monstratenser Chorherr in Schussenried und Buchauischer Hofprediger und Stiftspfarrer, gespielt haben, der auch h\u00e4ufig Taufen und Trauungen in der Familie vorgenommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beziehungen, die Geheimrat Schefold im Jahr 1802 zum erstenmal mit dem F\u00fcrsten Thurn und Taxis angekn\u00fcpft hat, sind auch von der Familie auf lange hinaus aufrecht erhalten worden. Vier S\u00f6hne und zwei Schwiegers\u00f6hne waren durch ihren Beruf mit der f\u00fcrstlichen Regierung verbunden, teilweise w\u00e4hrend ihrer ganzen beruflichen T\u00e4tigkeit. So war Philipp Schefold f\u00fcrstl. Thurn- und Taxis&#8217;scher Amtsrichter in Buchau, F. H. Th. von Halberstadt war, bevor die Post vom W\u00fcrttembergischen Staat \u00fcbernommen wurde, im Dienst der Taxis&#8217;schen Post, Christian Troll war Obervogt in Schemmerberg, Joseph Schefold war zuerst Rentamtsschreiber in D\u00fcrmentingen, sp\u00e4ter in f\u00fcrstlichen Dienisten in Scheer, Falkenstein und Buchau. Johann Baptist war jahrzehntelang als Pfarrer in Obermarchtal, dem Taxis&#8217;schen Schlosse, der j\u00fcngste Bruder Franz Eduard endlich war wenigstens eine Reihe von Jahren in Scheer und Obermarchtal Thurn und Taxis&#8217;scher Beamter. Schlie\u00dflich wollen wir den Sohn von Maximiliane, Maximiliane zum Tobel, den f\u00fcrstl. Rentmeister zu Stra\u00dfberg nicht vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den Adel Schefolds sind wir lediglich auf m\u00fcndliche Ueber-lieferung angewiesen, die nicht mehr im einzelnen belegt werden kann. Anl\u00e4\u00dflich seiner Anwesenheit auf dem Reichstag in Augsburg, vermutlich 1797, soll er vom Kaiser in den erblichen Adelsstand erhoben worden sein. Er scheint aber nie gro\u00dfen Wert darauf gelegt zu haben; seine Kinder recht zu erziehen war ihm wichtiger als ein gro\u00dfes Haus zu f\u00fchren, zudem fehlte ihm der n\u00f6tige Besitz an Schlo\u00df und G\u00fctern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ueber die Gem\u00e4ldesammlung Schefolds, die ja auch bei Pflugs Erinnerungen erw\u00e4hnt ist, wissen wir kaum noch etwas. Kurz nach dem Tode des Besitzers ist sie in alle Winde verstreut worden. In seines Sohnes Tagebuch ist von einer Auktion die Rede, die \u201emit Ausnahme der Bilder&#8220; guten Erl\u00f6s gebracht haben soll. 1859 sind von der Altert\u00fcmersammlung in Stuttgart zwei \u00e4ltschw\u00e4bische Tafelbilder vom Meister Conrad Wei\u00df in N\u00fcrtingen, ein Tod Marians und eine Befreiung Petri, vom Rentmeister Josef Schefold erworben worden, die Bilder, heute in der Staatsgalerie, stammen zweifellos aus der Sammlung des Geheimrats. In der Familie befinden sich heute nur noch wenige Gem\u00e4lde aus der Sammlung, so eine Landschaft von Johann Heinrich Sch\u00f6nfeldt, eine B\u00e4renhatz von Josef Melchior Roos, einige Bauernszenen in niederl\u00e4ndischer Manier, Bildnisse und endlich zwei holl\u00e4ndische Genrebilder aus der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das siebzehnte Kind, Johann Baptist Schefold, ist in Biberach 1804 geboren und 1885 in Obermarchtal gestorben. Pfarrer und Schulinspektor in Obermarchtal. Taufpaten waren : \u201eFreiherr Johann Baptist von Ulm, der hohen Domkirche zu Eichst\u00e4tt Kapitular und Regierungspr\u00e4sident, Herr von Mittelbiberach, ferner Ihre hochf\u00fcrstliche Gnaden Frau Maximiliana Esther F\u00fcrstin von Buchau geb. Gr\u00e4fin von Stadion.&#8220; In das Wilhelmstift T\u00fcbingen wurde er laut Regierungsblatt von 1823 aufgenommen. Ordination am 17. September 1828. Alle Zeugnisse und bisch\u00f6flichen Urkunden von Rottenburg sind heute noch vorhanden. Die Primiz fand in Biberach statt, gleichzeitig traute Baptist Schefold seine Schwester Maria Auguste und seine Nichte Augusta zum Tobel. Ueber die Feier der Primiz schreibt Krais in seiner Chronik von Biberach: Johann Baptist Schefold wurde in Rottenburg a. N. zum Priester geweiht, und sollte hier am Sonntag, den 5. Oktober seine erste Predigt in der Pfarrkirche ablegen, und am folgenden Tage daselbst die erste Messe lesen und eine seiner Schwestern copulieren, zu welcher Feierlichkeit gro\u00dfe Vorbe\u00acreitungen gemacht und alle ausw\u00e4rtige zahlreiche Anverwandte und Bekannte eingeladen wurden. \u2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 2. Tage vorher befiel aber den Vater eine heftige Krankheit, worauf alles abgestellt werden mu\u00dfte und der neue Priester hielt seine Verrichtungen) an den gedachten Tagen ohne allen sonst bei solchen Artl\u00e4ssein gew\u00f6hnlichen Pomp. Er, der Vater, starb am 19. Oktober. Von 1828 an war Schefold teils Vikar in Ravensburg, teils&#8216; Pfarrverweser in Obereschach und Baindt. Pfarrkonkurs 21. bis 25. Februar 1831. Darauf Pfarrer in Sie\u00dfen bei Saulgau; am 20. April 1846 in Obermarchtal. Von 1846 bis 1885, bis zu seinem 81. Lebensjahr war er in Obermarchtal als Geistlicher und Schulinspektor t\u00e4tig. 1847 gr\u00fcndete er die dortige Orts\u00acsparkasse. In der ganzen Gegend war Schefold eine bekannte und beliebte Pers\u00f6nlichkeit; auch als Obstbaumz\u00fcchter hat er sich hervorgetan (Oberamtsbeschreibung von Ehingen). Sehr verdient hat sich Schefold auch um die Instandhaltung des Soldatenfriedhofs gemacht, wozu er von den Herrscherh\u00e4usern in Oesterreich und Ru\u00dfland z. T. unter Vermittlung der K\u00f6nigin Olga erhebliche Summen einzubringen wu\u00dfte. Auch heute noch steht er unter den \u00e4lteren Obermarchtalern in bestem Angedenken. Ein 84j\u00e4hriger Obermarchtaler, der einst im B\u00e4ren zu Rechtenstein beim regelm\u00e4\u00dfigen Kegelabend f\u00fcr den Pfarrer den Kegelbuben machte, wei\u00df noch manches von ihm zu erz\u00e4hlen! Andere berichten, welchen Spa\u00df es ihm gemacht, aus der Ferne seine Schulbuben zu beobachten, wie sie ihm aus seinem Garten die \u00c4pfel gestohlen. Pfarrer Schefold ist \u00fcbrigens auch literarisch hervorgetreten \u2014 1846 erschien in Stuttgart ein doppelb\u00e4ndiges Werk \u00fcber die Parochialrechte, 1851 in T\u00fcbingen ein \u201eRechtliches Gutachten \u00fcber die beabsichtigte Abl\u00f6sung der Competenzen&#8220;, 1882 ein Buch \u201eZur Geschichte des Landkapitels Amrishausen&#8220;. 1871 Feier des 25j\u00e4hrigen Wirkens in der Gemeinde, bei dieser Gelegenheit wird er Ehrenb\u00fcrger von Obermarchtal. Am 17. September 1878 feiert er sein 50j\u00e4hriges Priesterjubil\u00e4um, wobei er von der f\u00fcrstlichen Herrschaft, mit der er stets im besten Verh\u00e4ltnis stand, ein Me\u00dfgewand mit Zubeh\u00f6r erhielt, au\u00dferdem wurde er Ritter 1. Klasse des Friedrichsordens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus: Adelindisglocke, Kirchenamtliche Mitteilungen f\u00fcr die Stadtpfarrei Buchau- Kappel und die Fderseegemeinden. 22 Jg. Nr.: 37, 38, 40. Buchau 1949<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Bearbeitet von Dr. Max Schefold) Aus nahestehenden Gr\u00fcnden ziemt es sich, in unserer Familiengeschichte dieses Mannes besonders zu gedenken. In unse\u00acrem Stammbaum bildet er nicht nur die Br\u00fccke hin\u00fcber nach Markdorf, er ist vor allem der Stammvater der Buchauer Linie, die schon in der folgenden Generation durch die erstaunliche Zahl von 19 Kindern, von denen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":60,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-218","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=218"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":232,"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/218\/revisions\/232"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/60"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/altertumsverein-bad-buchau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}